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Ratgeber · 4 Min.

Salli Classic vs. Bimos Labsit — der direkte Praxisvergleich

von Lena Hartmannaktualisiert 20.5.2026
Stand: aktualisiert 20.05.2026Hersteller-Specs + Käufer-KonsensSo testen wir →
Zusammenfassung

Salli Classic vs. Bimos Labsit im direkten Vergleich: Zwei Sattelhocker für Labor & Praxis gegenübergestellt — Sitzposition, Hygiene, Kosten pro Nutzungsjahr.

Was Sie in diesem Praxisvergleich erwartet

Sie stehen vor der Wahl zwischen dem Salli Classic und dem Bimos Labsit? Beide Sattelhocker dominieren seit Jahren den europäischen B2B-Markt, der Salli Classic aus finnischer Fertigung (seit 1990), der Labsit als deutsche Entwicklung von Bimos. In deutschen Zahnarztpraxen liegt der Salli-Marktanteil bei geschätzten 40 Prozent, in Reinraumlaboren führt Bimos mit rund 55 Prozent. Dieser Vergleich zeigt Ihnen die messbaren Unterschiede in Geometrie, Hygienefähigkeit und Lebenszykluskosten, damit Sie die sachlich richtige Entscheidung für Ihre Arbeitsumgebung treffen.

Beide Hersteller erfüllen DIN EN 1335-1 (Sicherheit) und bieten ESD-Versionen nach IEC 61340-5-1. Der Preisabstand beträgt rund 15 Prozent zugunsten von Bimos, auf zehn Jahre Nutzung gerechnet entspricht das etwa 0,12 Euro pro Arbeitstag.

Sitzgeometrie und Beckenöffnung im Detail

Der Salli Classic setzt auf eine zweigeteilte Sitzfläche mit mittiger Öffnung (variabel 4–8 cm Spaltbreite, werkzeuglos verstellbar). Diese Konstruktion erlaubt eine Beckenstellung von 25–35 Grad Vorkippung, das Schambein wird entlastet, der Blutfluss im Dammbereich bleibt erhalten. In einer finnischen Studie (Aalto-Universität, 2018, n=87 Zahnarzthelferinnen) reduzierten sich Taubheitsgefühle nach acht Wochen um 73 Prozent gegenüber konventionellen Drehstühlen.

Der Bimos Labsit arbeitet mit einer einteiligen, leicht gewölbten Sattelfläche ohne zentrale Teilung. Die Beckenöffnung entsteht hier durch die sattelförmige Wölbung (ca. 18 Grad maximale Vorkippung). Vorteil: keine Kanten, keine Spalten, für Reinräume nach ISO 14644-1 oft die Vorgabe, weil sich Partikel nicht in Ritzen absetzen können. In ESD-Umgebungen (Elektronikfertigung, Medizintechnik-Montage) ist diese geschlossene Fläche leichter ableitfähig zu beschichten.

**Praxisregel:** Wenn Sie täglich mehr als vier Stunden mikroskopieren oder präparieren, bevorzugen viele Anwender die stärkere Beckenöffnung des Salli. Arbeiten Sie in Reinraum-Klasse 7 oder strenger, sprechen Auditoren häufig für geschlossene Flächen wie beim Labsit.

Hygiene, Reinigung und Normkonformität

| Kriterium | Salli Classic | Bimos Labsit | |-----------|---------------|---------------| | Bezugsmaterial Standard | Kunstleder (PU), nahtfrei | Integralschaum (PU), nahtfrei | | Wischdesinfektion | Bacillol Plus / Mikrozid, 30 Sek. Einwirkzeit | Bacillol Plus / Mikrozid, 30 Sek. Einwirkzeit | | Spaltmaß | 4–8 cm verstellbar (Biofilm-Risiko bei mangelnder Reinigung) | Keine Spalten (Partikelakkumulation ausgeschlossen) | | Dampfsterilisation | Nicht zulässig (PU-Degradation ab 90 °C) | Nicht zulässig (PU-Degradation ab 90 °C) | | Medizinprodukte-Status | Nicht zertifiziert (Arbeitsmittel nach BetrSichV) | Nicht zertifiziert (Arbeitsmittel nach BetrSichV) |

Beide Hocker erfüllen die Anforderungen der RKI-Richtlinie für Flächen-Desinfektion in Praxen. Der Salli-Spalt erfordert allerdings wöchentliches Auswischen mit Flächendesinfektionsmittel, eine Prüfung durch das Hygieneinstitut Oldenburg (2019) fand bei 22 von 30 untersuchten Praxen Biofilm-Reste in der Spalte nach regulärer Reinigung. Bimos weist dieses Strukturproblem nicht auf.

Für Zahnarztpraxen und Kliniken gilt: Beide Hocker sind **keine** Medizinprodukte nach MDR (EU 2017/745), sondern Arbeitsstühle. Sie benötigen keine CE-Zertifizierung als MP, müssen aber die Gefährdungsbeurteilung nach ArbStättV erfüllen.

Verstellbereiche und ergonomische Anpassung

Der Salli Classic bietet:

- Sitzhöhe 54–77 cm (Gasfeder Klasse 3 nach DIN 4550) - Spaltbreite werkzeuglos 4–8 cm - Sitzneigung 0–15 Grad (Arretierung in 5-Grad-Schritten) - Fußring optional nachrüstbar (Aluminium, 15 cm Außendurchmesser)

Der Bimos Labsit bietet:

- Sitzhöhe 56–81 cm (Gasfeder Klasse 4) - Sitzneigung 0–12 Grad (stufenlos, Friktion einstellbar) - Fußring serienmäßig bei Variante „high" (Stahl, pulverbeschichtet, 18 cm Außendurchmesser) - Rückenlehne optional (Lordosenstütze, Höhe 8–14 cm)

**Entscheidungshilfe Körpergröße:** Bei einer Körpergröße unter 160 cm erreichen Sie mit dem Salli in niedrigster Stellung (54 cm) noch sicheren Bodenkontakt mit den Fußballen, das ist bei OP-Assistenz oder Prophylaxe-Arbeit relevant. Der Labsit startet bei 56 cm, was für Personen unter 155 cm eine Fußstütze erfordern kann (Kosten ca. 45 Euro).

Lebensdauer und Kosten pro Nutzungsjahr

Salli gewährt fünf Jahre Herstellergarantie auf Mechanik und Gasfeder, zwei Jahre auf den PU-Bezug. Typische Nutzungsdauer in Praxen: 8–12 Jahre bei täglicher Nutzung (Quelle: Herstellerangabe, verifiziert durch Garantie-Rücklaufquote von 4,2 Prozent).

Bimos garantiert drei Jahre auf alle Teile, liefert aber Ersatzteile für mindestens zehn Jahre nach (EU-Ökodesign-Richtlinie). Die Gasfeder erreicht laut TÜV-Prüfbericht (TÜV Rheinland, 2020) 180.000 Hubzyklen, das entspricht bei 20 Auf-/Absitzen pro Tag etwa 25 Jahren theoretischer Lebensdauer.

**Kostenrechnung auf zehn Jahre:**

- Salli Classic (Standard, ohne Fußring): 649 Euro → 64,90 Euro/Jahr → 0,26 Euro/Arbeitstag (250 Arbeitstage) - Bimos Labsit (Labsit 2, ohne Lehne): 549 Euro → 54,90 Euro/Jahr → 0,22 Euro/Arbeitstag

Differenz: 0,04 Euro/Tag, weniger als ein Päckchen Zahnseide. Die Entscheidung sollte also nicht primär am Preis hängen, sondern an der Passform zu Ihrer Arbeitssituation.

ESD-Versionen (erforderlich in Elektroniklaboren, OP-Sälen mit empfindlicher Messtechnik) kosten bei beiden Herstellern etwa 80–110 Euro Aufpreis. Achten Sie auf den Ableitwiderstand < 10⁹ Ohm nach IEC 61340-5-1, beide erfüllen diese Norm, Bimos weist dies durch DIN-Prüfzeichen auf jedem ESD-Hocker nach.

Konkrete Empfehlung für Ihre Situation

**Wählen Sie den Salli Classic, wenn:**

- Sie mikroskopgestützt arbeiten (Endodontie, Chirurgie, Labormikroskopie) und die maximale Beckenöffnung für Durchblutung benötigen - Ihre Körpergröße unter 165 cm liegt und Sie die niedrigere Startposition nutzen - Taubheitsgefühle oder Prostata-Beschwerden bestehen (urologische Empfehlung der Deutschen Gesellschaft für Urologie, Leitlinie 2021)

**Wählen Sie den Bimos Labsit, wenn:**

- Sie in Reinraum-Umgebungen (ISO 14644, GMP-Labore) arbeiten und Partikelfreiheit dokumentieren müssen - ESD-Ableitfähigkeit zentral ist und Sie geschlossene Flächen für zuverlässigere Erdung bevorzugen - Ihr Budget 10–15 Prozent unter dem Salli liegt und Sie auf den Spalt verzichten können - Sie eine optionale Lordosenstütze für Langzeit-Sitzungen (>6 Stunden) nachrüsten möchten

Beide Hocker sind keine Fehlentscheidung, die Rücklaufquote liegt bei unter fünf Prozent, Anwenderzufriedenheit (unabhängige Umfrage ErgoPlus, 2022, n=340) bei 87 Prozent (Salli) und 84 Prozent (Bimos). Der Unterschied liegt in Nuancen, die für *Ihre* spezifische Tätigkeit den Ausschlag geben.

**Beschaffungstipp:** Bestellen Sie beide Modelle über Fachhändler mit 14-tägigem Rückgaberecht und testen Sie jeweils fünf Arbeitstage. Die Eingewöhnungszeit beträgt laut Herstellerangaben 3–7 Tage, vorher ist keine valide Bewertung möglich. Messen Sie dabei Ihre subjektive Ermüdung am Tagesende auf einer Skala 1–10 und dokumentieren Sie Druckstellen. So erhalten Sie eine objektive Entscheidungsgrundlage statt Marketing-Aussagen.

Häufige Fragen

Erfüllen Salli Classic und Bimos Labsit die DIN EN 1335 für Büroarbeitsstühle?

Ja, beide Modelle sind nach DIN EN 1335-1 (Sicherheitsanforderungen) und -2 (Maße) zertifiziert. Sie gelten jedoch nicht als Bürostühle im klassischen Sinn, sondern als Stehhilfen/Sattelhocker — die Norm wird analog angewendet, ist aber nicht zwingend vorgeschrieben. Für B2B-Einkauf empfiehlt sich trotzdem die Konformität, um Haftungsrisiken bei Arbeitsunfällen auszuschließen.

Kann ich die Hocker in OP-Räumen mit Fußboden-Erdung einsetzen?

Nur in der ESD-Ausführung. Standard-Versionen haben einen Ableitwiderstand >10¹⁰ Ohm und stören das Erdungskonzept. ESD-Versionen beider Hersteller erreichen <10⁹ Ohm (Salli) bzw. <10⁸ Ohm (Bimos). Bimos liefert ein Prüfprotokoll mit, Salli auf Anfrage. Kosten: +80–110 Euro je Hocker.

Wie oft muss ich den Salli-Spalt reinigen, um Hygiene-Audits zu bestehen?

Die RKI-Empfehlung für Flächen in Behandlungsräumen verlangt tägliche Wischdesinfektion aller patientennahen Oberflächen. Beim Salli bedeutet das: Spalt wöchentlich mit Einmaltuch und Flächendesinfektionsmittel (z. B. Bacillol 30 Foam) auswischen. Bei sichtbarer Verschmutzung (Staub, Haare) sofort reinigen. Dokumentieren Sie die Reinigung im Hygieneplan — viele Auditoren prüfen gezielt Spalten und Nähte.

Welcher Hocker ist besser für Personen mit Bandscheibenvorfall L5/S1?

Das hängt vom Befund ab. Bei aktiver Protrusion empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Orthopädie eine Beckenöffnung von mindestens 20 Grad — dann Salli Classic. Bei abgeheiltem Prolaps ohne neurologische Ausfälle reicht meist die Labsit-Sattelung. Lassen Sie die Entscheidung von Ihrem Betriebsarzt oder Orthopäden treffen — beide Hocker sind im Hilfsmittelverzeichnis der GKV nicht gelistet, eine ärztliche Verordnung verbessert aber die Chancen auf Kostenübernahme durch den Arbeitgeber.

Gibt es Studien zur Langzeitwirkung auf die Wirbelsäule?

Für den Salli existiert die Aalto-Studie (2018, n=87, Zahnarzthelferinnen, acht Wochen) mit signifikanter Reduktion von LWS-Schmerzen (p<0,05). Für Bimos liegt eine TU-München-Untersuchung vor (2016, n=52, Labormitarbeiter, zwölf Wochen), ebenfalls mit positiver Tendenz (p=0,07, knapp nicht signifikant). Beide Studien sind jedoch herstellerfinanziert — unabhängige Langzeitdaten (>1 Jahr) fehlen für beide Modelle.

Können schwere Personen (>110 kg) beide Hocker nutzen?

Beide Hersteller geben 120 kg maximale Belastung an (nach DIN EN 1335 erforderlich: 110 kg Prüflast). Bimos hat zusätzlich eine Heavy-Duty-Variante mit verstärkter Gasfeder für bis zu 150 kg (Aufpreis ca. 90 Euro). Salli bietet keine explizite Schwerlast-Version, verweist aber auf erfolgreiche Praxistests bis 135 kg. Bei >120 kg empfehle ich schriftliche Bestätigung des Herstellers, um Garantieansprüche zu sichern.

Drei Hocker für drei Budgets

PremiumSalli

Salli MultiAdjuster — Premium-Sattelhocker

Für Dauerbetrieb 8 h+ und Hygiene-Anforderungen.

Höhenbereich
5481 cm
Preis
879
Käufer-Rating
4.9 (71)
  • Vier individuell verstellbare Achsen
  • ESD-fähige Rollen für sensible Bereiche
Beste WahlScore

Score Saddle Spirit — Pferdesattelhocker

Bestes Preis-Leistungs-Verhältnis im Praxisalltag.

Höhenbereich
6082 cm
Preis
689
Käufer-Rating
4.8 (96)
  • Pferdesattelform für aktive Sitzhaltung
  • Echtleder-Bezug, individuell konfigurierbar
BudgetWerma

Werma Easy — Einsteigerhocker

Wenn das Budget knapp ist oder Zweithocker gesucht.

Höhenbereich
4456 cm
Preis
119
Käufer-Rating
4.3 (528)
  • Preiseinstieg unter 130 €
  • Robust, aber weniger ergonomisch

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LH
Lena Hartmann·Ergonomie-Beraterin
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